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"Ein Werk des Teufels"?
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Siebte Etage, finis Africae! Strahlendes Licht aus allen Himmelsrichtungen. Helle Regale in allen Stockwerken, frei zugängliche Bücher, eine zum Lesen und Verweilen einladende Umgebung.

James Stirlings Entwurf für den Neubau des Wissenschaftszentrums sah für die Bibliothek einen Turm vor. Der berühmte britische Architekt war vermutlich inspiriert von jener fiktiven, in einem Trutzturm untergebrachten, mysteriösen Bibliothek - der "größten der Christenheit" - in Umberto Ecos Roman "Der Name der Rose", Mittelpunkt einer weltabgeschiedenen hochmittelalterlichen Abtei im Appenin. Dieser "historischen" Bibliothek kommt unter dem Einfluß des fanatischen erblindeten Chef-Bibliothekars Jorge die Rolle einer rigiden Zensurinstanz zu. Hinter Geheimgängen und Labyrinthen werden alle jene Texte verborgen, die dem "verbum Dei", wie es von den Kirchenvätern verkündet wird, in irgendeiner Weise abträglich sein könnten, darunter das verschollen geglaubte Hauptwerk des Aristoteles, dessen befreiende Gedanken über das Lachen der forschenden Neugier der Menschen niemals zugänglich sein darf - es sei denn um den Preis ihres Lebens.

Nomen non est omen - Die Bibliothek des WZB ist eine offene - ständig, auch nachts und an Wochenenden zugängliche - Freihandbibliothek, ein "Werk des Teufels", wie Jorge mutmaßen würde, ein Traum für den leidenschaftlich in Bibliotheken forschenden Umberto Eco.

Der Turm als höchstes Gebäude des WZB und seine Bestände sind architektonischer und sinnlicher Ausdruck der Bibliothek als eigenständigem Element wissenschaftlicher Serviceleistungen am WZB. Seine Lage in der Mitte, am Kreuzungspunkt der Gebäude B und D, in denen die großen Forschungsabteilungen des WZB zu Hause sind, erleichtert den Zugang zu den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Bibliothek und den von hier ausgehenden verschiedenen Serviceangeboten.

Der Zuschnitt der Arbeitsplätze gestattet die Gestaltung der Arbeitsabläufe nach eigenem Ermessen. Die an den WZB-Forschungsabteilungen orientierte Organisation der internen bibliothekarischen Zuständigkeiten betont Eigenverantwortung und Selbständigkeit. Die Bearbeitung der Medieneinheiten - seien es Bücher, Zeitschriftenartikel, elektronische Informationen - ist nicht auf mehrere Instanzen verteilt und in Einzelschritte zerstückelt, sondern nach dem Modell der integrativen Arbeitsorganisation sektoral jeweils in einer Hand zusammengefaßt. Input- und Outputfunktionen sind nicht getrennt.

Servicetätigkeit heißt für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zugleich, über den eigenen sektoralen Rahmen hinaus mit der Gesamtheit der Klientel der WZB-Bibliothek befaßt zu sein. Diese Rollenvarianz erweitert die Mitsprachekompetenz aller Beteiligten und erhöht deren Innovationsbereitschaft.

Die hohe Motivation, das überdurchschnittliche Engagement im täglichen Tun haben sicher viel mit diesen Rahmenbedingungen zu tun, aber durchaus auch mit - Humor. Das Komische (und gelegentlich auch Absurde) im Alltag zu entdecken, Spaßiges nicht zu übersehen sondern zu kultivieren, das Bibliothekspublikum einzubeziehen und eine gewisse Leichtigkeit auch in gelegentlich schwierigen und gespannten Situationen: nicht zuletzt dies kennzeichnet den Arbeitsalltag der WZB-Bibliothek. Aristoteles Werk, das "in der Bereitschaft zum Lachen eine Gutes bewirkende Kraft" sieht, hier stünde es in der Service-Ebene, neben den Nachschlagewerken und vor den Lexika.

G. Paul